- Gasspeicher unter niedrigstem Stand seit 2018 — Versorgung gefährdet
- Krieg im Iran und Hormus-Blockade treiben Gaspreise massiv
- 28 Fragen zu Gasreserve, Mehrkosten und Notfallplänen für Winter 2026/27
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7599 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die deutschen Gasspeicher wiesen am Ende der Heizperiode 2025/2026 deutlich niedrigere Füllstände auf als in den Vorjahren. Daten der Bundesnetzagentur zeigen, dass das aktuelle Speicherniveau unterhalb aller bisherigen Tiefstwerte seit 2018 liegt. Gleichzeitig erschwerert der Krieg im Iran und die damit einhergehende Blockade der Straße von Hormus den globalen LNG-Markt erheblich: Lieferungen werden verstärkt nach Asien umgeleitet, wo mehrere Länder mit akuter Versorgungsknappheit kämpfen. Diese Gemengelage erhöht den Druck auf Deutschland, ausreichend Gas für die Heizperiode 2026/27 einzuspeichern.
Im Detail
Ein Blick auf die Zahlen der Bundesnetzagentur zeigt, dass das Speicherniveau unterhalb des Niveaus der bisher niedrigsten Füllstandsverläufe seit 2018 nachzeichnet.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/7599
Die deutschen Gasspeicher füllen sich im Sommer 2026 so langsam wie nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2018. Daten der Bundesnetzagentur zeigen, dass die aktuellen Füllstandsverläufe unterhalb aller bisherigen Tiefstwerte liegen — ein alarmierendes Signal für die Gasversorgung im kommenden Winter. Mit BT-Drs. 21/7599 vom 17. August 2026 richtet die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen 28 Fragen an die Bundesregierung, um Auskunft über den Stand der Gaseinspeicherung, geplante Notfallmaßnahmen und die Kosten für Haushalte zu erhalten.
Gasspeicher: Rekordtief gefährdet Versorgungssicherheit
Schon das Ende der Heizperiode 2025/2026 hinterließ die deutschen Gasspeicher in einem ungewöhnlich schlechten Zustand. Die Wiederbefüllung über den Sommer, die eigentlich die Versorgung für den nächsten Winter sichern soll, verläuft aus Sicht der Fragesteller zu langsam. Besonders besorgniserregend ist die Lage in Süddeutschland: Bayern ist stark auf Speicher in Österreich angewiesen, darunter den Speicher Haidach. Die Anfrage fragt die Bundesregierung gezielt, ob die bayerischen und österreichischen Speicher ihre Füllstandsvorgaben bis zur Heizperiode 2026/27 noch erreichen werden — und welche Notfallpläne für den Fall eines Versorgungsengpasses in Süddeutschland bestehen.
Iran-Krieg und Hormus-Blockade: Gaspreise unter Druck
Erschwerend wirkt die geopolitische Lage: Der Krieg im Iran und die Sperrung der Straße von Hormus haben auf dem globalen Gasmarkt massive Preisauswirkungen. Flüssiggas-Tanker, die eigentlich Europa versorgen könnten, sind in der Meerenge gebunden oder werden nach Asien umgeleitet, wo mehrere Länder mit akuten Versorgungsengpässen kämpfen. Die Grünen fragen die Bundesregierung, welche Kosten der deutschen Volkswirtschaft im ersten Halbjahr 2026 durch den Import von fossilem Gas entstanden sind und welcher Anteil davon auf die Hormus-Blockade zurückzuführen ist. Außerdem wollen die Abgeordneten wissen, mit welchen Mehrkosten ein mit Gas heizender Durchschnittshaushalt für die kommende Heizperiode rechnen muss.
Gasreserve und Gasumlage: Finanzierung ungeklärt
Die Bundesministerin für Wirtschaft und Energie hatte eine staatliche Gasreserve sowie eine Gasumlage zu deren Finanzierung angekündigt. Die Anfrage bohrt nach konkreten Zahlen: Wie viel wird die Umlage kosten? Wie soll die Gasreserve insgesamt finanziert werden? Und: Zu welchem Zeitpunkt soll die Gasreserve beschlossen und in welchem Zeitraum angelegt werden? Zugleich fragen die Grünen, welche Maßnahmen die Bundesregierung für den bevorstehenden Winter plant, falls die Gasreserve bis dahin noch nicht greift.
Verbrauchsreduzierung und Klimaschutz
Neben der unmittelbaren Versorgungssicherheit thematisiert die Anfrage auch strukturelle Fragen: Die Fraktion erkundigt sich, welche Fortschritte bei der Reduzierung des Gasverbrauchs seit Jahresbeginn 2026 erzielt wurden, ob neue Programme zur Verbrauchssenkung geplant sind und ob die Bundesregierung Energiesparappelle an Bevölkerung und Unternehmen plant. Zwei Fragen widmen sich dem Gebäudemodernisierungsgesetz und dessen Wirkung auf die Abhängigkeit Deutschlands von fossilen und biogenen Gasimporten. Außerdem fragt die Fraktion, ob die Bundesleitung ETL 182 Elbe Süd nach Achim künftig für grünen Wasserstoff genutzt werden soll.
Russische Gasimporte und LNG-Versorgung
Die Anfrage greift auch den laufenden Prozess der Diversifizierung der Gasversorgung auf: Verläuft die Reduzierung russischer Gasimporte in die EU planmäßig? Wird der Import vollständig eingestellt — und wenn nicht, warum nicht? Und wie entwickeln sich die LNG-Lieferungen aus dem arabischen Raum nach Deutschland und in die EU angesichts der angespannten Weltmarktlage? Diese Fragen berühren die langfristige Energiestrategie Deutschlands und stehen im Zusammenhang mit der Diskussion über die Infrastruktur der Energieversorgung.
Die Bundesregierung hat die Fragen bislang nicht beantwortet. Die Antwort wird zeigen, wie die Regierung die aktuelle Versorgungslage einschätzt und welche konkreten Maßnahmen für den Winter 2026/27 geplant sind.
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Unmittelbar betroffen sind Millionen Haushalte, die mit Gas heizen — die Anfrage fragt explizit nach den durchschnittlichen Mehrkosten für einen gasbeheizten Durchschnittshaushalt. Besonders die Versorgungslage in Süddeutschland steht im Fokus, da Bayern stark von grenznahen österreichischen Speichern wie Haidach abhängt. Auch energieintensive Unternehmen und Speicherbetreiber sind von den angespannten Marktbedingungen betroffen.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7599) ist am 17. August 2026 eingegangen. Die Bundesregierung hat die Fragen noch nicht beantwortet. Für Kleine Anfragen sieht § 104 GO-BT grundsätzlich eine Antwortfrist von 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt vor.
- Sommer-Winter-Spread
- Preisdifferenz zwischen günstigem Sommergas und teuererem Wintergas; dient als Marktanreiz für Speicherbetreiber, Gasspeicher im Sommer aufzufüllen.
- LNG
- Liquefied Natural Gas — verflüssigtes Erdgas, das per Schiff transportiert und an Importterminals wieder in Gas umgewandelt wird.
- Straße von Hormus
- Schmale Meerenge zwischen dem Iran und der arabischen Halbinsel; eine der weltweit wichtigsten Wasserstraßen für den Transport von Öl und Flüssiggas.
Warum sind die Gasspeicher so leer?
Laut der Fraktion lagen die Füllstände bereits am Ende der Heizperiode 2025/2026 ungewöhnlich niedrig; die Wiederbefüllung im Sommer verläuft langsamer als erwartet, auch weil LNG-Lieferungen verstärkt nach Asien fließen.
Was ist die Straße von Hormus und warum ist sie relevant?
Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Seepassagen für Flüssiggas (LNG). Ihre Sperrung infolge des Iran-Kriegs unterbricht wichtige Lieferwege und treibt die Gaspreise weltweit in die Höhe.
Was ist eine Gasumlage und wer zahlt sie?
Eine Gasumlage ist ein Aufschlag auf den Gaspreis, der über alle Verbraucher verteilt wird, um etwa eine staatliche Gasreserve zu finanzieren. Die genaue Höhe und Ausgestaltung fragt die Anfrage bei der Bundesregierung ab.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7599 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































