Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8111 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
- Bundesregierung plant Verdopplung der Rechenzentrumsleistung auf ~42 TWh bis 2030
- Linke fordert Baustopp bis belastbare Bedarfsanalyse und Rechtsrahmen vorliegen
- Geplante EnEfG-Novelle schwächt bestehende Effizienzregeln laut Antrag weiter ab
Hintergrund
Die Bundesregierung hat eine Rechenzentrumsstrategie vorgelegt, die eine Verdopplung der verfügbaren IT-Anschlussleistung von 2.980 MW auf rund 5.960 MW bis 2030 vorsieht. Gleichzeitig enthält das Energieeffizienzgesetz (EnEfG) Ziele zur Senkung des Endenergieverbrauchs um 26,5 Prozent gegenüber 2008. Eine parallel laufende Novelle des EnEfG soll die Regelungen für Rechenzentren anpassen. Laut Handlungsempfehlungen einer Expertengruppe des Bundesumweltministeriums müssen dabei Wasserverbrauch, Flächenversiegelung, Umgebungswärme und Lebenszyklusemissionen berücksichtigt werden.
- 2.980 MW — aktuelle IT-Anschlussleistung aller deutschen Rechenzentren laut Bundesregierung (Stand 2025)
- ~21 TWh — jährlicher Energieverbrauch dieser Rechenzentren; laut Bundesregierungsstrategie bis 2030 zu verdoppeln
- 100 MW — maximale Netzanschlusskapazität, die der Antrag für einzelne neue Rechenzentren vorsieht
- 100 kW — Schwellenwert ab dem neue Rechenzentren nach dem Antragsentwurf genehmigungspflichtig werden sollen
- 55 % — Treibhausgasminderungsziel der EU bis 2030 gegenüber 1990 laut Europäischem Klimagesetz
Im Detail
Der Ausbau von ressourcenintensiver Infrastruktur wie Rechenzentren muss sich am tatsächlichen Bedarf und den planetaren Grenzen orientieren, nicht an einer diffusen Angst, etwas zu verpassen.
— Begründung BT-Drs. 21/8111, Fraktion Die Linke
Rechenzentren verbrauchen bereits heute rund 21 TWh Strom pro Jahr in Deutschland — das entspricht etwa dem Verbrauch von sechs Millionen Haushalten. Die Bundesregierung plant mit ihrer Rechenzentrumsstrategie, die verfügbare IT-Anschlussleistung von 2.980 MW bis 2030 zu verdoppeln. Die Fraktion Die Linke hält diesen Kurs für klimapolitisch nicht vertretbar und hat am 22. September 2026 den Antrag BT-Drs. 21/8111 eingebracht, der ein Moratorium für neue Rechenzentren und umfassende gesetzliche Nachhaltigkeitsstandards verlangt.
Rechenzentren kontra Klimaziele
Das Energieeffizienzgesetz (EnEfG) schreibt vor, den Endenergieverbrauch bis 2030 um 26,5 Prozent gegenüber 2008 zu senken. Eine Verdopplung der Rechenzentrumskapazitäten würde dieses Ziel nach Einschätzung der Fraktion konterkarieren. Laut Drucksache fehlen der Bundesregierung zudem belastbare Daten darüber, wie viel Rechenleistung tatsächlich benötigt wird — ein Großteil der bestehenden Kapazitäten sei bereits unterausgelastet. Eine Untersuchung niederländischer Rechenzentren habe ergeben, dass diese im Schnitt nur ein Drittel der bereitgestellten Leistung abrufen.
Was gilt aktuell?
Das EnEfG enthält bereits Mindestanforderungen an Transparenz, Energieeffizienz und Abwärmenutzung für Rechenzentren. Eine laufende Novelle des EnEfG soll diese Regelungen anpassen — laut Antrag jedoch in die falsche Richtung: Bestehende Vorgaben würden abgeschwächt oder deren Umsetzung verschoben, statt sie zu verschärfen. Handlungsempfehlungen einer Expertengruppe des Bundesumweltministeriums, die Wasserverbrauch, Flächenversiegelung und Lebenszyklusemissionen in den Mittelpunkt stellen, fänden in der Novelle keine Berücksichtigung.
Moratorium und zwölf Regulierungspunkte
Konkret verlangt der Antrag drei Maßnahmen. Erstens soll ein Genehmigungsstopp für neue Rechenzentren gelten, bis eine Bedarfsanalyse und ein gesetzlicher Rahmen vorliegen. Zweitens soll ein Gesetzentwurf kommen, der für alle Rechenzentren ab 100 kW Netzanschlusskapazität gilt und unter anderem folgende Pflichten einführt:
Vor jeder Genehmigung soll eine strenge Abwägung zwischen Umweltkosten und gesellschaftlichem Nutzen stehen. Neue Anlagen dürfen höchstens 100 MW Anschlussleistung haben. Betreiber müssen zusätzliche erneuerbare Stromkapazitäten in Höhe ihrer eigenen Anschlussleistung schaffen. Wasserverbrauch ist bereits im Genehmigungsprozess verbindlich anzugeben, spätere Erhöhungen sind ausgeschlossen. Abwärme muss tatsächlich genutzt werden — nicht nur bereitgestellt. Keine neuen Flächen dürfen versiegelt werden. Jährlich ist ein detaillierter Ressourcenbericht zu veröffentlichen, der Strom- und Wasserverbrauch sowie die Nutzungsart (Cloud, KI-Training, Hochleistungsrechnen) ausweist. Verstöße gegen die Berichtspflichten sollen mit umsatzabhängigen Bußgeldern sanktioniert werden. Drittens fordert die Fraktion ein Vorranggesetz, das Netzanschlüsse für erneuerbare Energien und Batteriespeicher über solche für Rechenzentren stellt.
Europäische Vorbilder zieht der Antrag aus Spanien, das Genehmigungen bereits an Bedingungen wie 80 Prozent zusätzlich zu installierender erneuerbarer Leistung knüpft. In Deutschland kämpften derweil viele Regionen mit Wasserknappheit und niedrigen Pegelständen — ein Befund, der auch die landwirtschaftliche Dürrehilfe 2026 als parlamentarisches Thema antreibt.
KI-Boom als Treiber
Ein Großteil der geplanten neuen Rechenzentren soll laut Drucksache dem Training und Betrieb großer KI-Systeme dienen. Die Linke bewertet den gesellschaftlichen Nutzen dieser Systeme als fragwürdig und verweist auf Risiken wie Machtkonzentration bei wenigen Technologiekonzernen sowie fehlende profitable Anwendungsfälle generativer KI. Ob diese Einschätzung zutrifft, ist politisch umstritten; sie gibt die Position der antragstellenden Fraktion wieder. Parallel läuft im Bundestag eine Debatte über das Energieeffizienzgesetz, bei dem auch die Grünen eine Abschwächung bestehender Regelungen kritisieren.
Weiterlesen:
Betroffen sind Betreiber und Investoren von Rechenzentren, die künftig strengeren Genehmigungsauflagen unterlägen. Mittelbar berührt sind Regionen mit bestehender Wasserknappheit sowie Stromnetzbetreiber, die Netzanschlusskapazitäten vergeben. Auch Anbieter erneuerbarer Energien wären von einer Vorrangregelung betroffen, die der Antrag ebenfalls fordert.
Der Antrag wurde am 22. September 2026 eingebracht und muss zunächst den zuständigen Ausschüssen überwiesen werden. Nach Ausschussberatung folgt die abschließende Abstimmung im Bundestags-Plenum. Da die Fraktion Die Linke keine Regierungsmehrheit stellt, gelten die Erfolgsaussichten als gering.
- Moratorium
- Vorläufiger Stopp einer bestimmten Tätigkeit — hier das zeitlich begrenzte Aussetzen von Genehmigungen für neue Rechenzentren.
- EnEfG
- Energieeffizienzgesetz: deutsches Bundesgesetz mit verbindlichen Zielen zur Senkung des Energieverbrauchs, enthält auch spezifische Anforderungen an Rechenzentren.
- PUE / Abwärme
- Power Usage Effectiveness: Kennzahl für die Energieeffizienz eines Rechenzentrums. Abwärme bezeichnet die beim Betrieb entstehende Wärme, die laut Antrag künftig zwingend genutzt statt abgegeben werden soll.
Was ist das geforderte Moratorium?
Die Linke verlangt einen vorläufigen Genehmigungsstopp für neue Rechenzentren, bis eine belastbare Bedarfs- und Kapazitätsanalyse sowie ein entsprechendes Regulierungsgesetz vorliegen.
Wie viel Energie verbrauchen Rechenzentren laut Antrag?
Laut Drucksache beträgt der aktuelle Jahresverbrauch rund 21 TWh. Die Bundesregierung plant laut Antrag eine Verdopplung der Anschlussleistung bis 2030, was den Energieverbrauch entsprechend erhöhen würde.
Was kritisiert die Linke an der EnEfG-Novelle?
Laut Antrag fehlen in der vorgelegten Novelle Umwelt- und Wasserverbrauchsvorgaben völlig, während bereits bestehende Transparenz- und Effizienzregeln abgeschwächt oder verschoben werden.


































































