Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8088 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
- CERAWeek 2026 hatte über 10.000 Teilnehmer, darunter 84 Minister
- Gesprächsinhalte mit Exxon Mobil und BP teils dauerhaft geschwärzt
- Botschaft Washington hat VS-NfD-Drahtbericht zur Reise verfasst
Hintergrund
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche nahm in der zweiten Märzhälfte 2026 an der CERAWeek in den USA teil — einer der bedeutendsten Energiekonferenzen weltweit mit mehr als 10.000 Teilnehmern, darunter rund 1.600 CEOs und 84 Minister. Die Transparenzplattform FragDenStaat hatte bereits im April 2026 per IFG-Anfrage Unterlagen zu den Gesprächen angefordert und veröffentlicht, allerdings enthielten die herausgegebenen Dokumente zahlreiche Schwärzungen. Die Grünen-Fraktion richtete daraufhin eine Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7723) an die Bundesregierung, um die Gründe für die Schwärzungen und den Inhalt der Gespräche zu klären. Die Antwort liegt als BT-Drs. 21/8088 vom 21. September 2026 vor.
- 10.000+ — Teilnehmer der CERAWeek 2026, darunter ca. 1.600 CEOs und 84 Minister
- 2. April 2026 — Datum der IFG-Anfrage von FragDenStaat beim BMWE
- 21. Juli 2026 — Datum der Beantwortung der IFG-Anfrage durch das BMWE, rund 3,5 Monate nach Einreichung
- 19 — Fragen der Grünen-Fraktion zur USA-Reise, mehrere davon nur mit Verweis auf den IFG-Bescheid beantwortet
Im Detail
"We share the approach to energy policy that focusses on affordability and resiliency, applying pragmatism and common sense."
— Gesprächsvorbereitung BMWE, zitiert in BT-Drs. 21/8088, S. 2
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hat im März 2026 an der CERAWeek in den USA teilgenommen — einer der weltweit wichtigsten Energiekonferenzen mit mehr als 10.000 Teilnehmern, darunter rund 1.600 Vorstandschefs und 84 Minister. Dabei traf sie sich mit Vertretern fossiler Großkonzerne wie Exxon Mobil und BP sowie mit Jarod Agen, Executive Director des US-amerikanischen National Energy Dominance Council. Was bei diesen Gesprächen konkret besprochen wurde, bleibt in Teilen unklar — die Bundesregierung hält in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion (BT-Drs. 21/8088, 21. September 2026) an den Schwärzungen fest.
CERAWeek-Reise: Was die Bundesregierung offenlegt
Zur Frage, warum Reiche persönlich zur CERAWeek reiste, obwohl ihr Ministerium die Teilnahme als „nicht zwingend“ eingestuft hatte, antwortet die Bundesregierung: Die Ministerin habe wichtige politische Kontakte aufbauen und hochrangige Gespräche mit Industrievertretern führen wollen. Als gemeinsamen energiepolitischen Nenner zwischen Deutschland und den USA nennt die Bundesregierung laut den veröffentlichten Gesprächsunterlagen: „We share the approach to energy policy that focusses on affordability and resiliency, applying pragmatism and common sense.“ An einer Paneldiskussion zum Thema „Reimagining Trans-Atlantic Relations: European Energy, Security and Sovereignty“ nahm Reiche gemeinsam mit dem Executive Director des National Energy Dominance Council teil.
Geschwärzte Unterlagen: Exxon, BP und LNG
Zu den inhaltlich brisantesten Fragen — nämlich welche Themen in den Gesprächsvorbereitungen mit Exxon Mobil zu LNG, EU-Methanregulierung und CO₂-Speicherung sowie mit BP zu LNG geschwärzt wurden — verweist die Bundesregierung pauschal auf den an den ursprünglichen IFG-Antragsteller übersandten Bescheid. Die konkreten Inhalte der geschwärzten Stellen werden in der parlamentarischen Antwort nicht genannt. Auf die Frage, welche Themen Reiche tatsächlich mit Exxon Mobil besprochen hat, erklärt die Bundesregierung schlicht: „Hierzu liegen keine Informationen vor.“ Ebenso gibt sie an, über die Gesprächsthemen zur US-Energiedominanz-Doktrin keine Informationen zu haben.
Atomenergie und Energieeffizienz: Bundesregierung stellt klar
In den veröffentlichten Reiseunterlagen taucht der Begriff „nuclear“ mehrfach im Kontext des angestrebten Energiemixes auf. Die Bundesregierung erklärt dazu, dieser Begriff sei als technologieübergreifender Oberbegriff verwendet worden, der auch Kernfusion umfasse — analog zu „Gas“ als Oberbegriff für Erdgas, Biogas und Wasserstoff. Ein Wiedereinstieg in die Kernspaltung sei im Koalitionsvertrag nicht vereinbart und nach § 7 Abs. 1 Satz 2 Atomgesetz auch nicht genehmigungsfähig. Zur „Efficiency First“-Strategie verweist die Bundesregierung auf bestehende Programme wie die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG), die Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft (EEW) sowie das Energieeffizienzgesetz (EnEfG). Zudem soll das Prinzip mit einer geplanten Novelle des Energieeffizienzgesetzes ordnungsrechtlich verankert werden.
IFG-Verfahren: Verspätung und Mehrfachanfragen
Die ursprüngliche IFG-Anfrage der Transparenzplattform FragDenStaat datiert vom 2. April 2026; das BMWE antwortete erst am 21. Juli 2026 — mehr als drei Monate später. Als Begründung nennt die Bundesregierung erheblichen Prüfungs- und Abstimmungsaufwand; der Antragsteller sei am 14. April 2026 per Zwischennachricht informiert worden. Alle Vorbereitungsunterlagen seien bereitgestellt worden, soweit keine IFG- oder UIG-Ausnahmetatbestände vorlagen. Mehrere Antragsteller hätten identische Unterlagen erhalten; dies werde bei der Kostenentscheidung berücksichtigt. Gesprächsprotokolle zu einzelnen Terminen existieren laut Bundesregierung nicht. Die Botschaft Washington hat jedoch einen als VS-NfD eingestuften Drahtbericht zur CERAWeek verfasst (ID: WASH_2026-04-01_61439), der Bundestagsabgeordneten zugänglich ist. Fragen zur deutschen Transparenzpraxis bei Ministerreisen berühren auch breitere Debatten — vergleichbare Kontroversen um zurückgehaltene Exportdaten zeigt etwa der Beitrag Landminen und Streumunition: Bundesregierung sperrt Exportdaten.
Weiterlesen:
- JETP Senegal: Energiewende-Kredit trotz 132% Staatsverschuldung
- E-Auto-Prämie 2026: Wer profitiert von der Förderung?
Betroffen sind vor allem Verbraucherinnen und Verbraucher, die von der deutschen Energiepolitik und möglichen Richtungsentscheidungen bei LNG, Energieeffizienz und Klimazielen abhängen. Auch Organisationen, die IFG-Anfragen stellen, sind berührt, da das Ministerium zentrale Inhalte weiterhin nicht offenlegt.
Bei mehreren Kernfragen — insbesondere zu den geschwärzten Themen in den Gesprächsvorbereitungen mit Exxon Mobil und BP (Fragen 3, 4, 6, 7, 8, 9) — verweist die Bundesregierung pauschal auf den IFG-Bescheid, ohne die Inhalte zu benennen. Zur Frage, welche Themen tatsächlich mit Exxon Mobil besprochen wurden, erklärt sie, dass keine Informationen vorliegen.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. CERAWeek-Reise: Grüne fragen zu geschwärzten Lobbygesprächen →
- IFG (Informationsfreiheitsgesetz)
- Bundesgesetz, das Bürgerinnen und Bürgern das Recht gibt, Zugang zu amtlichen Informationen von Bundesbehörden zu beantragen.
- VS-NfD
- Verschlusssache — Nur für den Dienstgebrauch: die niedrigste Geheimhaltungsstufe in Deutschland, nur für befugte Personen zugänglich.
- CERAWeek
- Jährliche Energiekonferenz in den USA, organisiert von S&P Global, mit Teilnahme hochrangiger Regierungs- und Industrievertreter aus aller Welt.
Warum war die IFG-Antwort des BMWE so spät?
Laut Bundesregierung nahm die Bearbeitung wegen erheblichen Prüfungs- und Abstimmungsaufwands längere Zeit in Anspruch; der Antragsteller wurde am 14. April 2026 per Zwischennachricht informiert.
Hat Deutschland einen Wiedereinstieg in die Atomkraft geplant?
Nein. Laut Bundesregierung ist ein Wiedereinstieg in die Kernspaltung nicht im Koalitionsvertrag vereinbart; gemäß § 7 Abs. 1 Satz 2 Atomgesetz werden keine neuen Genehmigungen erteilt.
Was ist die CERAWeek?
Die CERAWeek ist eine der weltweit wichtigsten Energiekonferenzen; 2026 nahmen mehr als 10.000 Personen teil, darunter rund 1.600 CEOs und 84 Minister.


































































