- 25 Mio. Euro DAAD-Jahresförderung soll bis 2031 wegfallen
- 120.000 Menschen in 70+ Ländern verlieren Hochschulpartnerschaften
- China und Russland bauen akademischen Einfluss im Globalen Süden aus
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7584 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) unterhält im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) seit Jahrzehnten Hochschulkooperationsprogramme mit Partnern in Afrika, Asien, Lateinamerika und dem Nahen Osten. Nach aktuellen Plänen des BMZ sollen diese Programme bis 2031 vollständig eingestellt werden; lediglich ein Alumni-Programm soll fortgeführt werden. Die institutionelle Förderung des DAAD durch das Auswärtige Amt liegt im Regierungsentwurf 2027 mit 204,95 Mio. Euro bereits deutlich unter dem Niveau von 2023 (222,0 Mio. Euro). Die Grünen-Fraktion sieht die Entscheidung im Widerspruch zum Koalitionsvertrag, der eine ressortübergreifende Stärkung des DAAD vorsieht, sowie zur neuen BMZ-Strategie, die den DAAD als zentralen Partner für Hochschulbildung und Forschung benennt.
- 25 Mio. Euro — So hoch war die jährliche BMZ-Förderung der betroffenen DAAD-Programme im Jahr 2025.
- 120.000 Menschen — So viele Personen in über 70 Ländern erreichten die Programme in den vergangenen fünf Jahren.
- 450 Partnerhochschulen — So viele Hochschulen und Institutionen waren an den Programmen beteiligt.
- 204,95 Mio. Euro — Geplante institutionelle DAAD-Förderung des Auswärtigen Amts im Haushaltsentwurf 2027, gegenüber 222,0 Mio. Euro in 2023.
- 2031 — Geplanter spätester Auslaufzeitpunkt für alle betroffenen BMZ-DAAD-Hochschulkooperationsprogramme.
Im Detail
Mit vergleichsweise geringen Mitteln bauen diese Programme langfristig wirkende Strukturen auf, die aus dem regulären Hochschulhaushalt nicht gegenfinanziert werden können.
— Vorbemerkung BT-Drs. 21/7584, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) plant, bis 2031 nahezu alle DAAD-Hochschulkooperationsprogramme einzustellen. Betroffen sind Programme, die 2025 noch mit rund 25 Mio. Euro jährlich gefördert wurden und in fünf Jahren insgesamt rund 120.000 Menschen in über 70 Ländern erreichten. An diesen Programmen waren etwa 450 Partnerhochschulen und -institutionen in Afrika, Asien, Lateinamerika und dem Nahen Osten beteiligt. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat dazu am 14. August 2026 die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/7584 eingebracht und stellt 13 Einzelfragen an die Bundesregierung.
DAAD-Hochschulkooperationen: Was wird konkret gestrichen?
Die geplanten Streichungen betreffen nicht Stipendien für einzelne Studierende, sondern Programme zur institutionellen Stärkung ganzer Hochschulen in Partnerländern — durch Curricula-Entwicklung, gemeinsame Forschungsinfrastrukturen, Qualitätssicherung und dauerhafte Vernetzung. Thematisch arbeiteten die Programme an Zukunftsfragen wie Energieversorgung, Wassermanagement, Gesundheit und Digitalisierung. Das BMZ hat laut Drucksache erklärt, seine künftige DAAD-Förderung auf Stipendienprogramme konzentrieren zu wollen. Die anfragende Fraktion sieht darin keinen gleichwertigen Ersatz, da Individualförderung institutionelle Kapazitäten nicht ersetzen kann.
Renommierte deutsche Hochschulen — darunter die Technische Universität Berlin, die Universität Bielefeld und die Universität Potsdam — haben laut Drucksache in Stellungnahmen beschrieben, was die Beendigung konkret bedeutet: den Verlust jahrelang aufgebauter Partnerschaften, die Unterbrechung laufender Projekte und den Wegfall wissenschaftlicher Netzwerke, die nicht kurzfristig wiederhergestellt werden können.
Geopolitische Dimension: China und Russland füllen die Lücke
Die Anfrage thematisiert ausführlich den geopolitischen Kontext. Laut dem von der Fraktion zitierten DAAD-Policy Brief „Akademischer Austausch als Instrument geostrategischer Einflussnahme“ (Juni 2026) intensivieren China, Russland und die Türkei ihren akademischen Austausch mit Ländern des Globalen Südens gezielt. Im Jahr 2025 bewarben sich laut Drucksache über 40.000 Studierende aus Afrika um rund 5.000 staatlich finanzierte russische Stipendienplätze. China hat angekündigt, allein zwischen 2025 und 2027 im Rahmen seines Beijing Action Plans 60.000 afrikanische Studierende und 1.000 Forschende ins Land zu holen sowie 30 gemeinsame Forschungslabore zu gründen. Die Fraktion sieht darin ein außenpolitisches Risiko für Deutschland — diese Einschätzung stammt aus der Vorbemerkung der Anfragenden und ist nicht als gesicherte Regierungsposition zu werten.
Ein konkretes Beispiel nennt die Anfrage mit der Deutsch-Mongolischen Hochschule für Rohstoffe und Technologie (DMHT): Angesichts der deutschen Rohstoffstrategie und des Ziels, Abhängigkeiten von China bei kritischen Rohstoffen zu verringern, fragen die Grünen, welche Folgen ein Förderausstieg für Deutschlands Zugang zu mongolischen Rohstoffvorkommen hätte. Ähnlich gelagert ist die Frage zum Projekt SOLID, das die Technische Hochschule Nürnberg mit Partnern in Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan und China im Bereich Soziale Arbeit und Gesundheit koordiniert — und das im Rahmen der deutschen Zentralasienstrategie relevant ist.
Was gilt aktuell?
Derzeit fördert das BMZ die betroffenen DAAD-Hochschulkooperationsprogramme noch mit rund 25 Mio. Euro jährlich. Die institutionelle Förderung des DAAD durch das Auswärtige Amt ist im Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2027 bereits auf 204,95 Mio. Euro gesunken — gegenüber 222,0 Mio. Euro im Jahr 2023. Laut der anfragenden Fraktion sieht der Koalitionsvertrag eine ressortübergreifende Stärkung des DAAD vor, und die neue BMZ-Strategie benennt den DAAD als zentralen Partner für Hochschulbildung und Forschung. Ob und wie die Bundesregierung diesen scheinbaren Widerspruch auflöst, ist eine der Kernfragen der Anfrage.
Die Grünen-Fraktion fragt darüber hinaus, ob das BMZ vor seiner Entscheidung eine Folgenabschätzung oder Wirtschaftlichkeitsbetrachtung unter Einbeziehung langfristiger Effekte vorgenommen hat, ob der DAAD und die Hochschulrektorenkonferenz konsultiert wurden und welche anderen Bundesressorts — insbesondere das Auswärtige Amt und das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt — einbezogen waren. Diese Fragen zur Entscheidungsgrundlage sind politisch zentral, weil sie die Transparenz des Kürzungsprozesses betreffen. Ähnliche Fragen zur Kontrolle von BMZ-Mitteln stellt sich auch der Beitrag zu den Maasai-Vertreibungen und der BMZ-Naturschutzförderung.
Die Anfrage beleuchtet damit ein strukturelles Spannungsfeld: Kurzfristige Haushaltseinsparungen im Entwicklungsetat stehen langfristigen außenwissenschaftlichen und geopolitischen Interessen gegenüber. Wie die Bundesregierung diesen Zielkonflikt bewertet, wird die noch ausstehende Antwort zeigen. Vergleichbare Debatten über die Kohärenz von Förderkürzungen und strategischen Zielen finden sich auch bei der Klimafinanzierung und beim Zivilen Friedensdienst.
Unmittelbar betroffen sind rund 120.000 geförderte Menschen in über 70 Ländern sowie etwa 450 Partnerhochschulen und -institutionen weltweit. Auf deutscher Seite verlieren Hochschulen wie die Technische Universität Berlin, die Universität Bielefeld und die Universität Potsdam langjährige internationale Partnerschaften. Mittelbar betroffen sind Partnerländer des Globalen Südens, die auf den institutionellen Kapazitätsaufbau durch diese Programme angewiesen sind.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7584) ist am 14. August 2026 beim Deutschen Bundestag eingegangen. Die Bundesregierung muss die Anfrage innerhalb von grundsätzlich 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt beantworten. Eine Antwort liegt noch nicht vor.
- DAAD
- Der Deutsche Akademische Austauschdienst ist eine gemeinsame Organisation der deutschen Hochschulen. Er fördert den internationalen Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern und setzt dabei auch Bundesmittel — u.a. des BMZ und des Auswärtigen Amts — um.
- Hochschulkooperationsprogramm
- Programme, die nicht einzelne Studierende, sondern ganze Hochschulinstitutionen durch gemeinsame Studiengänge, Forschungsprojekte und Netzwerke stärken — im Gegensatz zu Individualstipendien.
- Globaler Süden
- Sammelbezeichnung für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen, vor allem in Afrika, Asien und Lateinamerika, die häufig Zielregionen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit sind.
Welche Programme sollen konkret gestrichen werden?
Laut Drucksache sollen bis 2031 alle DAAD-Hochschulkooperationsprogramme im Zuständigkeitsbereich des BMZ eingestellt werden — mit Ausnahme eines Alumni-Programms. Welche Programme das im Einzelnen sind, ist eine der 13 Fragen an die Bundesregierung.
Warum will das BMZ die Programme einstellen?
Das BMZ hat laut Drucksache erklärt, seine künftige DAAD-Förderung auf Stipendienprogramme konzentrieren zu wollen. Eine öffentlich zugängliche Folgenabschätzung liegt nach Angaben der anfragenden Fraktion nicht vor.
Was ist der Unterschied zwischen Stipendien und Hochschulkooperationen?
Stipendien fördern individuelle Bildungswege einzelner Studierender. Hochschulkooperationsprogramme bauen darüber hinaus institutionelle Kapazitäten in Partnerländern auf — etwa durch Curricula-Entwicklung, Forschungsinfrastrukturen und dauerhafte Netzwerke.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7584 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































