- 255 von 4.135 Stellwerken dürfen wegen Korrosion nicht mehr umgebaut werden
- 13 Mrd. Euro für Stellwerksersatz von 2027 bis 2031 geplant
- Elektromechanische Stellwerke haben schlechteste Zustandsnote: 5,3
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6367 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Das deutsche Schienennetz leidet unter jahrzehntelangem Investitionsstau. Die DB InfraGO AG weist im Zustandsbericht 2024 für Stellwerke eine Gesamtnote von 4,2 aus — auf einer Skala, bei der höhere Werte schlechtere Zustände anzeigen. Elektromechanische Stellwerke, die älteste noch verbreitete Bauform, erreichen sogar die Note 5,3. Das Stellwerkersatzprogramm S 3 der DB soll den Austausch alter Anlagen beschleunigen. Parallel dazu treibt der Bund die Einführung des europäischen Zugsteuerungssystems ERTMS (European Rail Traffic Management System) voran, das für einheitlichere und sicherere Zugsteuerung auf europäischen Strecken sorgen soll.
- 5,3 — Zustandsnote 2025 für elektromechanische Stellwerke, schlechtester Wert aller Kategorien
- 255 von 4.135 Stellwerken — besteht ein Umbauverbot wegen Alter und Korrosion
- ca. 13 Mrd. Euro — geplanter Mittelabfluss für Stellwerksersatz 2027–2031 (5 Mrd. ERTMS-Titel + 8 Mrd. Ersatzinvestitionen)
- 64 Altstellwerke — wurden im Jahr 2025 außer Betrieb genommen
- 99,5 Prozent — Stellwerksbesetzungsquote bundesweit im April 2026
Im Detail
Die Bundesregierung wird mit der LV InfraGO die übergreifende Finanzierungsarchitektur des Bestandsnetzes und der Digitalisierung neu aufstellen sowie vereinfachen und vereinheitlichen.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/6367, Fragen 10/11
Rund 255 von 4.135 Stellwerken im deutschen Schienennetz dürfen wegen ihres Alters und festgestellter Korrosionsschäden nicht mehr umgebaut werden — das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hervor (BT-Drs. 21/6367, 9. Juni 2026). Für den Zeitraum 2027 bis 2031 plant die Deutsche Bahn AG rund 13 Milliarden Euro ein, um alte Anlagen durch moderne und digitale Stellwerke zu ersetzen.
Was gilt aktuell beim digitalen Stellwerk?
Das deutsche Stellwerksnetz besteht aus verschiedenen Generationen: mechanische, elektromechanische, Relais- sowie moderne (elektronische und digitale) Stellwerke. Die Zustandsnoten für 2025 zeigen deutliche Unterschiede: Elektromechanische Stellwerke erhalten mit 5,3 die schlechteste Bewertung, gefolgt von mechanischen Stellwerken (4,7) und Relaisstellwerken (4,3). Moderne Stellwerke liegen mit 3,8 am besten. Das Bundesministerium für Verkehr (BMV) weist allerdings darauf hin, dass es die Berechnungsmethodik der DB InfraGO AG bislang nicht validieren kann und die Noten daher für eigene Bewertungen nicht heranzieht.
Bei den digitalen Stellwerken befindet sich die DB AG nach eigenen Angaben noch in einer Weiterentwicklungsphase. Im Jahr 2024 wurde ein Volumenvertrag für teilweise noch in Entwicklung befindliche Stellwerkstechnologien abgeschlossen. In bestehenden Rahmenverträgen sind rund 6.000 Stelleinheiten zugesichert, davon wurden bisher erst etwa 2.700 — rund 45 Prozent — tatsächlich abgerufen.
Ersatztempo und Investitionsvolumen
Im Jahr 2025 wurden 64 Altstellwerke außer Betrieb genommen, für 2026 ist die Ablösung von 62 weiteren geplant. Gleichzeitig sollen 2026 insgesamt 53 neue moderne Stellwerke errichtet werden. Bis 2031 befinden sich laut DB AG pro Jahr jeweils eine mittlere zweistellige Zahl moderner Stellwerke in Planung oder Umsetzung. Die durchschnittliche Realisierungsdauer eines Stellwerksprojekts beträgt drei bis vier Jahre — ein Faktor, der den Ausbau strukturell verlangsamt.
Die Finanzierung des Stellwerksersatzes läuft über zwei Quellen: den Haushaltstitel für die Einführung von ERTMS (European Rail Traffic Management System) sowie die Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung (LuFV). Für 2027 bis 2031 sind demnach rund 5 Milliarden Euro aus dem ERTMS-Titel und rund 8 Milliarden Euro aus Ersatzinvestitionen vorgesehen. Die getrennte Finanzierungsarchitektur erzeugt Koordinierungsaufwand; die Bundesregierung hat angekündigt, dies mit der neuen Leistungsvereinbarung LV InfraGO zu vereinfachen und zu vereinheitlichen.
Digitale Stellwerke: Hürden bei Abnahme und Fachpersonal
Ein weiterer Engpass betrifft die Abnahme neuer digitaler Stellwerke. Bundesweit gibt es laut DB AG derzeit nur rund 50 Planprüfer und 50 Abnahmeprüfer für die etablierte ESTW-Technik. Für weiterentwickelte Technologien, wie sie bei digitalen Stellwerken zum Einsatz kommen, vergibt das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) aktuell nur projektspezifische Prüflizenzen. Der Aufbau digitaler Stellwerke erfordert eine Neugestaltung der Abnahmeprozesse, was zunächst mehr Aufwand bedeutet — dieser soll sich laut Bundesregierung reduzieren, sobald neue Komponenten und Schnittstellen zugelassen sind.
Zur Beschleunigung der Planungs- und Abnahmeprozesse setzt die DB auf Standardisierung der Stellwerksschnittstellen, Automatisierung sowie verstärkte Zusammenarbeit mit der Industrie. Darüber hinaus hat die Bundesregierung mit dem Infrastruktur-Zukunftsgesetz Vorschläge zur Ausweitung der Planrechtsfreiheit nach dem Allgemeinen Eisenbahngesetz eingebracht, die auch vereinfachte Verfahren bei Digitalisierungsmaßnahmen ermöglichen sollen. Das Gesetz befindet sich noch im parlamentarischen Verfahren.
Stellwerksbesetzung stabil
Trotz des Sanierungsbedarfs zeigt die Stellwerksbesetzungsquote ein stabiles Bild: Bundesweit lag sie im April 2026 bei 99,5 Prozent. Regional variiert die Quote zwischen 98,7 Prozent in der Region Mitte und 99,9 Prozent in der Region Nord. Damit ist das Fachpersonal an den Stellwerken bundesweit nahezu vollständig vorhanden — ein strukturelles Problem liegt weniger im laufenden Betrieb als im Investitionsrückstand bei der technischen Erneuerung.
Hintergrund der Anfrage ist die anhaltend schlechte Infrastrukturqualität im deutschen Schienennetz, die sich auch in Verspätungen und Störungen niederschlägt. Ähnliche Fragen zu Investitionslücken in der Verkehrsinfrastruktur beschäftigen den Bundestag auch in anderen Bereichen, etwa beim Stromnetzausbau oder bei der Bundesstraßeninfrastruktur.
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Betroffen sind alle Fahrgäste der Deutschen Bahn sowie Pendlerinnen und Pendler, da veraltete Stellwerke zu einem wesentlichen Teil der Betriebsstörungen beitragen. Darüber hinaus betrifft das Thema Unternehmen, die auf Güterverkehr per Schiene angewiesen sind, sowie die Eisenbahnindustrie als Auftragnehmer für den Stellwerksersatz.
Die Bundesregierung hat die meisten Fragen beantwortet, verweist bei einzelnen Fragen jedoch auf laufende Verhandlungen zur neuen Leistungsvereinbarung (LV InfraGO), weshalb Angaben zu Stellwerkszahlen für die Jahre nach 2026 nicht möglich seien. Zustandsnoten für die Kategorie 'digitale Stellwerke' werden separat nicht ausgewiesen, da diese unter 'Moderne Stellwerke' subsumiert werden.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. (Stand: 09.06.2026) Digitale Stellwerke Deutsche Bahn – Grüne fordern Modernisierungsbericht →
- ERTMS / ETCS
- ERTMS (European Rail Traffic Management System) ist das europäische Eisenbahnverkehrsleitsystem; ETCS (European Train Control System) ist die technische Zugsicherungskomponente davon. Beide sollen grenzüberschreitenden Zugverkehr vereinfachen und Sicherheit erhöhen.
- Stelleinheit (STE)
- Eine Stelleinheit ist eine Mess- und Abrechnungseinheit für Stellwerkskomponenten, die angibt, wie viele steuerbare Elemente (z. B. Weichen, Signale) ein Stellwerk umfasst.
- LuFV / LV InfraGO
- Die Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung (LuFV) regelt, wie viel der Bund der DB für Erhalt und Ausbau der Schieneninfrastruktur zahlt. Sie wird künftig als LV InfraGO neu aufgestellt.
Wie viele Stellwerke dürfen nicht mehr umgebaut werden?
Bei 255 von 4.135 Stellwerken besteht laut DB AG ein Umbauverbot aufgrund ihres Alters und festgestellter Korrosionsschäden.
Wie viel kostet der Stellwerksersatz bis 2031?
Laut DB AG sind für 2027 bis 2031 rund 5 Mrd. Euro aus dem ERTMS-Haushaltstitel und rund 8 Mrd. Euro aus Ersatzinvestitionen eingeplant — insgesamt etwa 13 Mrd. Euro.
Wie lange dauert der Bau eines neuen Stellwerks?
Die durchschnittliche Realisierungsdauer eines Stellwerksprojekts beträgt laut DB AG ca. drei bis vier Jahre ab Beginn der Planung.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6367 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.





































































