Überblick: Ukraine als Dauerthema im Deutschen Bundestag
Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 ist das Thema im Deutschen Bundestag omnipräsent. Militärische Unterstützung, Geflüchtete, EU-Beitritt, Forschungskooperation und Rüstungspartnerschaften: Die parlamentarischen Drucksachen der vergangenen Monate dokumentieren, wie breit und kontrovers die Debatte geführt wird. Ein klarer Schwerpunkt liegt dabei auf Anfragen und Anträgen der AfD-Fraktion, die in einer Vielzahl von Drucksachen eine kritische Gegenposition zur Regierungslinie einnimmt.
EU-Beitritt der Ukraine: Streit um Tempo und Bedingungen
Einer der politisch schärfsten Konflikte betrifft die Frage eines EU-Beitritts der Ukraine. Die AfD-Fraktion hat einen Antrag eingebracht, der einen sofortigen Stopp aller Beitrittsverhandlungen fordert. Inhalt und aktueller Verfahrensstand sind unter Ukraine-EU-Beitritt: AfD fordert Stopp aller Beitrittsverhandlungen dokumentiert. Der Antrag wurde eingebracht und zur Plenarlesung überwiesen, eine Ausschussberatung steht noch aus.
Die Bundesregierung hat sich zu diesem Komplex in einer Antwort auf eine AfD-Anfrage geäußert und dabei 16 konkrete Fragen beantwortet. Das Ergebnis ist eindeutig: Eine Vollmitgliedschaft der Ukraine in der EU ist nach Einschätzung der Bundesregierung derzeit nicht erfüllbar. Als mögliche Zwischenlösung brachte Bundeskanzler Merz das Modell eines assoziierten Status ohne Stimmrecht ins Gespräch. Zudem stellte die Bundesregierung klar, dass die Beistandsklausel nach Art. 42 Abs. 7 des EU-Vertrags erst mit einer Vollmitgliedschaft greift – nicht schon in einer Zwischenstufe.
Finanzielle Unterstützung: Milliarden in der Kritik
Ein weiteres zentrales Thema ist der Umfang der deutschen Unterstützungsleistungen für die Ukraine. Die AfD hat dazu eine Kleine Anfrage gestellt und den Gesamtwert aller Hilfen seit 2022 abgefragt. Nähere Informationen zu dieser Anfrage finden sich unter Ukraine-Hilfen: AfD fragt nach Gesamtwert seit 2022. Eine Antwort der Bundesregierung steht noch aus.
Bekannt ist bereits: Im Bundeshaushalt 2026 sind 233 Millionen Euro Entwicklungshilfe für die Ukraine eingeplant. Darüber hinaus hat das Bundesministerium für Forschung seit Kriegsbeginn 182,7 Millionen Euro für ukrainische Forschungskooperationen bereitgestellt. Bis 2029 sind weitere 110 Millionen Euro geplant. Details zur deutsch-ukrainischen Partnerschaft im Jahr 2026, einschließlich gemeinsamer Rüstungsprojekte, sind unter Deutsch-ukrainische Partnerschaft 2026: Drohnen, Bürgergeld und Sicherheit dokumentiert.
Rüstungskooperation und Drohnenproduktion
Deutschland und die Ukraine kooperieren mittlerweile auch auf dem Gebiet der Rüstungsproduktion. Die Kampfdrohnen mit den Bezeichnungen Anubis und Seth-X werden gemeinsam produziert. Parlamentarische Anfragen zu Kraftstoffexporten aus der Raffinerie PCK Schwedt in die Ukraine wurden von der AfD-Fraktion gestellt und von der Bundesregierung bereits beantwortet – ein seltener Fall einer vollständig abgeschlossenen Kleinen Anfrage in diesem Themenkomplex.
Geflüchtete und Bürgergeld: Zahlen im Fokus
Zum Stand Juni 2026 befinden sich insgesamt rund 3,5 Millionen Geflüchtete in Deutschland. Davon halten sich 1,19 Millionen Ukrainer mit einer Aufenthaltserlaubnis nach § 24 AufenthG legal im Land auf. Weitere 199.271 Personen sind geduldet, 258.845 gelten als ausreisepflichtig – 77 Prozent davon mit Duldung. Der vollständige Datensatz ist in der Drucksache Geflüchtete in Deutschland: 3,5 Mio. zum Stand Juni 2026 erfasst, die von der Fraktion Die Linke eingebracht wurde.
Besonderes politisches Gewicht hat die Zahl der ukrainischen Männer im wehrpflichtigen Alter, die in Deutschland Sozialleistungen beziehen: Im April 2026 erhielten 107.000 ukrainische Männer zwischen 23 und 60 Jahren Bürgergeld. Die AfD thematisiert diese Zahl im Zusammenhang mit der ukrainischen Mobilmachungspflicht.
Desertionen bei der Bundeswehr-Ausbildung
Ein weiteres, bislang wenig beachtetes Thema hat die AfD mit einer Kleinen Anfrage aufgeworfen: Desertionen ukrainischer Soldaten während ihrer Ausbildung durch die Bundeswehr. Details und Verfahrensstand sind unter Ukrainische Soldaten: Desertionen bei Bundeswehr-Ausbildung einsehbar. Eine Antwort der Bundesregierung steht noch aus.
Einordnung: Viele Anfragen, wenige Beschlüsse
Die parlamentarische Bilanz zeigt ein deutliches Ungleichgewicht: Ein Großteil der vorliegenden Drucksachen zum Thema Ukraine stammt von der AfD-Fraktion und liegt in Form von Kleinen Anfragen oder Anträgen vor, die entweder noch nicht beantwortet oder noch nicht abschließend beraten wurden. Beschlossen wurde bislang nichts von dem, was die AfD beantragt hat. Die Bundesregierung hat lediglich in einem Fall – dem EU-Beitritt – umfassend Stellung genommen. Die Koalitionsmehrheit hat keine der oppositionellen Forderungen aufgegriffen.

































































