- 800.000 indonesische Kinder arbeiten laut UNICEF im Bergbau
- CEPA soll EU-Zugang zu Nickel, Bauxit und Kupfer sichern
- 1.200 Todesopfer durch bergbaubedingte Erdrutsche seit 2024
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6306 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die EU und Indonesien schlossen im September 2025 die Verhandlungen über das CEPA-Abkommen ab. Während China bereits Milliarden in Indonesiens Rohstoffsektor investiert hat, sind deutsche und europäische Unternehmen weniger vertreten. Das Abkommen ist Teil der EU-Strategie zur Diversifizierung der Lieferketten und Reduzierung der Abhängigkeit von China.
- 800.000 Kinder — arbeiten laut UNICEF-Schätzungen im indonesischen Bergbau, davon viele im Alter von 10 bis 14 Jahren
- 1.200 Todesopfer — registrierte die Regierung zwischen 2024 und Anfang 2026 durch bergbaubedingte Erdrutsche und Bodeninstabilität
- 80 Prozent Marktanteil — kontrollieren chinesische Unternehmen verschiedene Stufen der indonesischen Nickelproduktion
- 70 Prozent Recyclingrate — erreicht Deutschland bereits beim Nickel-Recycling aus Edelstahl
- 51,5 Mio. Euro — stellt Deutschland für Biodiversitätsprojekte in Indonesien bis 2030 bereit
Im Detail
Es ist bekannt, dass insbesondere der Nickelbergbau auf Halmahera Auswirkungen auf die indigene Gruppe der Hongana Manyawa haben kann.
— Bundesregierung BT-Drs. 21/6306
Das geplante Handelsabkommen zwischen der EU und Indonesien konfrontiert die deutsche Politik mit widersprüchlichen Anforderungen: Das CEPA-Abkommen soll den Zugang zu strategischen Rohstoffen für die Energiewende sichern. Gleichzeitig bestehen erhebliche Menschenrechts- und Umweltrisiken. Die Bundesregierung hat in ihrer Antwort auf eine umfangreiche Anfrage der Grünen-Fraktion detailliert zum Rohstoffabbau in Indonesien Stellung genommen.
Zahlen aus dem Bergbausektor
Nach Angaben von UNICEF arbeiten über 800.000 indonesische Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren im Bergbausektor. Dramatischer sind die Todeszahlen: Zwischen 2024 und Anfang 2026 wurden über 1.200 Todesopfer durch bergbaubedingte Erdrutsche registriert. Diese stehen in direktem Zusammenhang mit Entwaldung und Bodeninstabilität. Besonders betroffen sind die industriellen Zentren IMIP (Morowali) und IWIP (Halmahera).
Der Nickelbergbau betrifft die größtenteils unkontaktierte indigene Gruppe der Hongana Manyawa auf der Insel Halmahera. Experten warnten eindringlich, jedes weitere Vordringen des Bergbaus in den Regenwald könne die Hongana Manyawa auslöschen. Ein erzwungener Erstkontakt verläuft für unkontaktierte Gemeinschaften häufig tödlich. Sie besitzen keine Immunität gegen verbreitete Krankheiten.
Rechtslage
Das CEPA-Abkommen wurde im September 2025 zwischen der EU und Indonesien abgeschlossen. Es muss noch von den EU-Mitgliedstaaten ratifiziert werden. Das Abkommen sieht Nullzölle für Nickel, Bauxit und Kupfer vor und enthält ein Nachhaltigkeitskapitel mit rechtsverbindlichen sozialen und ökologischen Standards. Deutschland ist durch das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz verpflichtet, Menschenrechts- und Umweltrisiken in den Lieferketten zu überwachen.
Chinesische Dominanz im Rohstoffsektor
Chinesische Unternehmen wie Tsingshan, Huayou und Zhenshi dominieren verschiedene Stufen der indonesischen Nickelproduktion. Die Bundesregierung kennt keine genauen prozentualen Anteile. Sie bestätigt aber die starke chinesische Präsenz. Das CEPA-Abkommen soll deutschen und europäischen Unternehmen einen privilegierten Zugang verschaffen. Zudem trägt es zur Diversifizierung der Rohstofflieferketten bei.
Umwelt- und Klimaauswirkungen
Die Nickelgewinnung aus Lateriten erfolgt in Indonesien ausschließlich im flächenintensiven Tagebau. Sie ist mit Regenwaldabholzung verbunden. Die Nickelproduktion weist eine hohe CO2-Intensität auf, da die Hütten mit kohlebasiertem Strom versorgt werden. Als Reduktionsmittel wird metallurgische Kohle eingesetzt. Eine GIZ-Studie von 2022 dokumentiert die ökologischen Herausforderungen entlang der gesamten Nickel-Lieferkette.
Kontrollinstrumente und Standards
Die Bundesregierung setzt bei staatlich geförderten Projekten auf internationale Standards wie die OECD-Leitsätze und IFC-Performance-Standards. Der IRMA-Standard für verantwortungsvolles Bergbauwesen wird als sehr umfassend bewertet. Er wird jedoch nicht als verbindlicher Referenzrahmen eingesetzt. Bei Exportkreditgarantien und Investitionsgarantien werden Umwelt-, Sozial- und Menschenrechtsaspekte systematisch geprüft.
Deutschland setzt auch auf Recycling-Technologien: Die End-of-Life-Recycling-Rate für Nickel liegt bei 70 Prozent. Die produktbezogene Recyclingrate für Edelstahl erreicht über 50 Prozent. Das Nickel aus Elektrofahrzeug-Batterien soll künftig in großem Stil recycelt werden.
Weiterlesen:
- Rohstoffpolitik: Bundesregierung erweitert Partnerschaften um Milliarden
- EU-Kreislaufwirtschaft: Zwangsabgabe bei Fahrzeug-Verschrottung
Betroffen sind deutsche Unternehmen der Batterie- und Automobilindustrie, die auf Rohstoffe für die Energiewende angewiesen sind. In Indonesien leiden indigene Gruppen und lokale Gemeinden unter Umweltzerstörung und Landraub durch den Bergbau.
Die Bundesregierung beantwortet die meisten Fragen sachlich, weicht bei konkreten Unternehmensdaten und Geschäftsgeheimnissen aus. Zu Heidelberg Materials und deutschen Rohstoffimporten liegen angeblich keine Erkenntnisse vor.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. (Stand: 04.06.2026) EU-Indonesien CEPA: Grüne fordern Menschenrechtsschutz für indigene Völker bei Rohstoffabbau →
- CEPA
- Comprehensive Economic Partnership Agreement – umfassendes Wirtschaftspartnerschaftsabkommen zwischen der EU und Indonesien
- Hongana Manyawa
- Größtenteils unkontaktierte indigene Gruppe auf der indonesischen Insel Halmahera, deren Existenz durch den Nickelbergbau bedroht ist
- IRMA-Standard
- Initiative for Responsible Mining Assurance – internationaler Standard für umwelt- und sozialverträglichen Bergbau
Was ist das CEPA-Abkommen mit Indonesien?
Das Comprehensive Economic Partnership Agreement soll Handelshemmnisse abbauen und der EU den Zugang zu strategischen Rohstoffen wie Nickel, Bauxit und Kupfer sichern.
Welche Menschenrechtsrisiken bestehen?
Laut UNICEF arbeiten über 800.000 indonesische Kinder im Bergbau. Zudem sind indigene Gruppen wie die Hongana Manyawa durch Landraub und Umweltzerstörung bedroht.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6306 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.








































































