Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8025 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
- BGR erhielt 688 Mio. Euro Bundesmittel von 2020 bis Mitte 2026
- KfW-Rohstofffonds hält Beteiligungen von 200 Mio. Euro
- BMZ wendete rund 137,9 Mio. Euro für Rohstoffprogramme auf
Hintergrund
Im Januar 2020 beschloss das Bundeskabinett eine Rohstoffstrategie mit dem Ziel, die Versorgungssicherheit kritischer Rohstoffe zu verbessern und Lieferketten zu diversifizieren. Parallel dazu setzt die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie auf Ressourceneffizienz, um den Primärrohstoffverbrauch auf sechs bis acht Tonnen pro Kopf zu senken. Der KfW-Rohstofffonds wurde 2024 als neues Instrument für staatliche Beteiligungen an Bergbau- und Verarbeitungsprojekten aufgesetzt. Bündnis 90/Die Grünen baten mit der Kleinen Anfrage 21/7519 um eine transparente Aufschlüsselung aller Haushaltsmittel, die diese Strategie seit 2020 beansprucht hat.
- 688,0 Mio. Euro — Gesamtausgaben des Bundes für die BGR (inkl. DERA) von Januar 2020 bis Juli 2026 (Kapitel 0916)
- 17,54 Mio. Euro — Ausgaben speziell für die Deutsche Rohstoffagentur (DERA) im selben Zeitraum
- 137,9 Mio. Euro — Fördergesamtkosten des BMZ für rohstoffbezogene Programme 2020–2026
- 200 Mio. Euro — Bisheriges Beteiligungsvolumen des KfW-Rohstofffonds (Vulcan Energie 150 Mio. Euro, Arafura Rare Earths 50 Mio. Euro)
- 5.219,3 Mio. Euro — Volumen neu übernommener UFK-Garantien mit Rohstoffbezug (2022: 3.819 Mio. Euro; 2024: 463,2 Mio. Euro; 2026 bis Juli: 937,1 Mio. Euro)
Im Detail
Eine Summe der Gesamtausgaben aller in den Fragen 1 bis 19 genannten Programme lässt sich nicht seriös ableiten, da es bei den Maßnahmen nicht ausschließlich um reine Zuschussprogramme handelt.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/8025, S. 12
Der Bund gibt jährlich mehrere hundert Millionen Euro für die Sicherung kritischer Rohstoffe aus — von der geowissenschaftlichen Grundlagenforschung über Entwicklungszusammenarbeit bis hin zu staatlichen Beteiligungen an Bergbauprojekten. Die Bundesregierung hat auf BT-Drs. 21/8025 vom 15. September 2026 erstmals eine detaillierte Aufschlüsselung dieser Ausgaben für den Zeitraum von Januar 2020 bis Juli 2026 vorgelegt. Auslöser war eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (BT-Drs. 21/7519).
Rohstoffversorgung: Milliardenapparat mit vielen Akteuren
Das mit Abstand teuerste Instrument der deutschen Rohstoffpolitik ist die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Ihre Gesamtausgaben beliefen sich von 2020 bis Mitte 2026 auf 688 Millionen Euro, davon allein 2024 knapp 117 Millionen Euro. Innerhalb der BGR kostete die spezialisierte Deutsche Rohstoffagentur DERA zusätzlich 17,54 Millionen Euro. Die DERA beobachtet Rohstoffmärkte und berät Unternehmen bei der Diversifizierung ihrer Lieferketten — eine Funktion, die angesichts wachsender Abhängigkeit von asiatischen Lieferketten für Batterie- und Halbleitermaterialien an Bedeutung gewonnen hat.
Ein weiterer Ausgabenblock entfällt auf das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), das über GIZ, BGR-Auslandsmodule, EITI und multilaterale Entwicklungsbanken rohstoffbezogene Programme in Afrika, Asien und Lateinamerika finanziert. Die Fördergesamtkosten des BMZ summierten sich laut Anlage zur Drucksache auf rund 137,9 Millionen Euro. Davon entfielen auf GIZ-Programme allein rund 91,6 Millionen Euro — unter anderem für Governance-Programme in der DR Kongo, Mauretanien, der Mongolei und Westafrika.
KfW-Rohstofffonds: Neu aufgesetzt, schnell gewachsen
Das jüngste und politisch ambitionierteste Instrument ist der KfW-Rohstofffonds, der 2024 gestartet wurde. Die KfW ist bislang zwei Beteiligungen eingegangen: 150 Millionen Euro an der Vulcan Energie Ressourcen GmbH (Lithium-Geothermie) und 50 Millionen Euro an Arafura Rare Earths Ltd. (Seltene Erden, Australien). Das angestrebte Gesamtportfolio soll laut Regierungsentwurf zum Bundeshaushalt 2027 auf bis zu 1,5 Milliarden Euro wachsen. Die Absicherung potenzieller Verluste erfolgt zweistufig: 32 Prozent über Einzelplan 09 (BMWE), 68 Prozent über Gewährleistungen des Einzelplans 32. Für einen separaten Explorationsfonds — aus Wirtschaft und Wissenschaft gefordert — sieht die Bundesregierung derzeit keinen Bedarf, da das geologische Risiko zu hoch sei.
Was gilt aktuell?
Bestehende Förderinstrumente wie die Kompetenzzentren Bergbau/Rohstoffe an Auslandshandelskammern (AHK) kosten den Bund jährlich zwischen 570.000 und 874.000 Euro. Das VDI-Kompetenzzentrum Ressourceneffizienz (VDI ZRE) des BMUKN erhielt von 2020 bis Mitte 2026 insgesamt rund 24,2 Millionen Euro. Das Forschungsprogramm FONA des BMFTR wendete im Bereich Rohstoffe zwischen 13 und 40 Millionen Euro pro Jahr auf.
Parallel laufen UFK-Garantien — staatliche Finanzkreditgarantien mit Rohstoffbezug. Im abgefragten Zeitraum wurden neu übernommene Garantien von insgesamt rund 5,2 Milliarden Euro verbucht (2022: 3,8 Mrd. Euro; 2024: 463 Mio. Euro; 2026 bis Juli: 937 Mio. Euro). Zu Entschädigungsfällen kam es bislang nicht. Auch die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) spielt eine Rolle: Von 2020 bis Mitte 2026 flossen über sie rund 430 Millionen Euro in Biomasseprojekte.
Datenlücken: Gesamtrechnung bleibt offen
Auf die Frage nach einer Gesamtsumme aller Programme antwortet die Bundesregierung ausweichend: Eine seriöse Aggregation sei nicht möglich, da neben Zuschussprogrammen auch Garantien und Eigenkapitalbeteiligungen enthalten seien, deren Endkosten von Marktentwicklungen abhingen. Ebenso fehlen Aufschlüsselungen zu den Kosten der Rohstoffpartnerschaften und zur sektoral aufgeschlüsselten Förderung im Rahmen von Sorgfaltspflichtprogrammen. Diese Datenlücken waren ein zentrales Motiv der Kleinen Anfrage. Für Wirtschaftspolitik, Beschaffungsstrategien und Unternehmen, die kritische Infrastruktur und Versorgungsketten absichern wollen, bleibt damit ein wesentlicher Teil des staatlichen Engagements intransparent.
Im Kontext der europäischen Verteidigungsdiskussion — Stichwort EU-Verteidigungsfähigkeit und Abhängigkeiten — ist auch die Frage relevant, ob rohstoffpolitische Ausgaben künftig teilweise aus der Verteidigungsbereichsausnahme finanziert werden könnten. Die Bundesregierung bestätigt in der Antwort lediglich, dass dazu interne Gespräche laufen.
Weiterlesen:
Unmittelbar betroffen sind forschende Institutionen wie BGR, GFZ und Fraunhofer IWKS sowie Unternehmen, die über GIZ-Programme, AHK-Kompetenzzentren oder den KfW-Rohstofffonds Unterstützung erhalten. Mittelbar betrifft die Versorgungssicherheit bei kritischen Rohstoffen die gesamte deutsche Industrie — insbesondere Elektromobilitäts-, Elektronik- und Energiewende-Branchen sowie letztlich alle Verbraucher.
Mehrere Fragen beantwortet die Bundesregierung nur teilweise oder verweist auf fehlende Daten: Zu Rohstoffpartnerschaften (Frage 6) existiert keine ressortübergreifende Kostenausweisung; bei EEW und Sorgfaltspflichten werden keine sektoral aufgeschlüsselten Zahlen erhoben. Eine Gesamtsumme über alle Programme (Frage 20) verweigert die Regierung mit methodischer Begründung.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Rohstoffpolitik: Grüne fragen nach Bundesausgaben seit 2020 →
- DERA
- Deutsche Rohstoffagentur, angesiedelt bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Sie beobachtet Rohstoffmärkte und berät Industrie und Politik zur Versorgungssicherheit.
- KfW-Rohstofffonds
- 2024 aufgesetztes Instrument, mit dem die KfW im Auftrag des Bundes Minderheitsbeteiligungen an Bergbau-, Verarbeitungs- und Recyclingprojekten eingeht, um kritische Rohstofflieferketten zu sichern.
- UFK-Garantien
- Ungebundene Finanzkredite — staatliche Exportkreditgarantien für Finanzkredite ohne Lieferbindung, die u. a. zur Absicherung von Rohstoffprojekten im Ausland eingesetzt werden.
Was kostet die Deutsche Rohstoffagentur DERA den Bund?
Von 2020 bis Mitte 2026 betrugen die Gesamtausgaben für die DERA 17,54 Millionen Euro, finanziert aus Kapitel 0916 im Einzelplan des BMWE.
Wie hoch ist das Beteiligungsvolumen des KfW-Rohstofffonds?
Die KfW hat im Rahmen des 2024 aufgesetzten Rohstofffonds bislang zwei Beteiligungen eingegangen: 150 Mio. Euro an Vulcan Energie Ressourcen und 50 Mio. Euro an Arafura Rare Earths — insgesamt 200 Mio. Euro.
Plant die Bundesregierung einen eigenen Explorationsfonds?
Nein. Die Bundesregierung hält Explorationsprojekte aufgrund des hohen geologischen und wirtschaftlichen Risikos für zu riskant und sieht derzeit keine Erweiterung des Rohstofffonds um einen dedizierten Explorationsfonds vor.
































































