- 600.000 Haushalte in Gaza durch WFP-Datenleck vom 14. Mai 2026 betroffen
- WFP kooperiert seit 2019 mit dem umstrittenen US-Unternehmen Palantir
- Bundesregierung soll Auskunft über deutsche Fördermittel und Datenschutzauflagen geben
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7591 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Am 14. Mai 2026 wurde das UN-Welternährungsprogramm (WFP) Opfer eines Cyberangriffs. Dabei wurden nach Angaben der Fragesteller Daten von mehr als 600.000 Haushalten im Gazastreifen entwendet – darunter Namen und Telefonnummern. Das WFP bestätigte den Vorfall laut Drucksache erst am 2. Juni 2026 auf journalistische Anfrage. Parallel steht die seit 2019 bestehende Kooperation des WFP mit Palantir Technologies in der öffentlichen Diskussion: Das US-Unternehmen liefert dem WFP Datenintegrations- und Analysesoftware und hält nach Medienberichten auch Verträge mit dem israelischen Verteidigungsministerium.
- 600.000 Haushalte — Anzahl der vom Datenleck beim WFP betroffenen Haushalte im Gazastreifen.
- 14. Mai 2026 — Datum des Cyberangriffs auf das WFP-System.
- 14 Tage — Verzögerung, mit der das WFP die betroffenen Haushalte über den Datenverlust informierte.
- Seit 2019 — Dauer der Zusammenarbeit des WFP mit Palantir Technologies.
- 15 Fragen — Umfang der Kleinen Anfrage der Fraktion Die Linke an die Bundesregierung.
Im Detail
Bei dem Leak handelt es sich um den bislang größten bekannten Datendiebstahl im humanitären System.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/7591
Beim UN-Welternährungsprogramm (WFP) wurden am 14. Mai 2026 durch einen Cyberangriff Daten von mehr als 600.000 Haushalten im Gazastreifen entwendet. Zu den abgeflossenen Informationen zählen Namen, Telefonnummern und weitere hochsensible Personendaten. Nach Angaben der Fragesteller bestätigte das WFP den Vorfall erst 14 Tage später – auf journalistische Anfrage am 2. Juni 2026. Die Fraktion Die Linke hat mit BT-Drs. 21/7591 vom 14. August 2026 eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung gestellt, um Auskunft über den deutschen Umgang mit diesem Vorfall zu erhalten.
WFP-Datenleck: Größter bekannter Datendiebstahl im humanitären System
Die Fragestellerinnen und Fragesteller charakterisieren das WFP-Datenleck als den bislang größten bekannten Datendiebstahl im humanitären System. Besonders brisant ist aus ihrer Sicht, dass es sich um Daten von Menschen in einem aktiven Konfliktgebiet handelt: Angesichts regelmäßiger Luftangriffe können Wohnorte, Standorte oder Bewegungsprofile, die sich aus den gestohlenen Daten ableiten lassen, nach Darstellung der Fraktion unmittelbare Sicherheitsrisiken für die betroffenen Personen darstellen. Die Anfrage an die Bundesregierung zielt daher zunächst darauf ab, wann die Bundesregierung als bedeutende Zuwendungsgeberin des WFP von dem Datenverlust informiert wurde und welche eigene Folgenabschätzung sie vorgenommen hat.
Palantir-Kooperation: Datenschutz und Interessenkonflikt
Ein zentraler Fragenkomplex der Kleinen Anfrage betrifft die Zusammenarbeit des WFP mit dem US-Unternehmen Palantir Technologies. Das WFP setzt dessen Software seit 2019 zur Integration und Vernetzung seiner Daten ein. Palantir steht nach Medienberichten, die in der Vorbemerkung der Fragesteller zitiert werden, auch in vertraglichen Beziehungen mit dem israelischen Verteidigungsministerium. Die Fraktion Die Linke fragt die Bundesregierung, wie sie diesen möglichen Interessenkonflikt bewertet und welche Nachweise ihr dazu vorliegen, dass Zweckbindung, Datenminimierung und Zugriffsbeschränkungen in der WFP-Palantir-Zusammenarbeit eingehalten werden. Außerdem erkundigt sich die Anfrage, ob die Bundesregierung selbst Kooperationen mit Palantir Technologies im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit oder der humanitären Hilfe plant.
Deutsche Fördermittel und Datenschutzauflagen
Deutschland gilt als einer der größten Zuwendungsgeber des WFP. Die Kleine Anfrage fragt detailliert nach, welche Bundesmittel seit 2019 in WFP-Programme im Gazastreifen geflossen sind, die digitale Registrierungs-, Verwaltungs- oder Analyseplattformen wie das vom Datenverlust betroffene People Portal nutzen. Die Abgeordneten verlangen dabei eine Aufschlüsselung nach Haushaltsjahren, Haushaltstiteln und Höhe der Mittel. Ergänzend fragen sie, welche konkreten Auflagen zu Datenschutz, Informationssicherheit und Daten-Governance mit diesen Zuwendungen verbunden waren und ob unabhängige Audits oder Prüfberichte angefordert oder ausgewertet wurden. Ähnliche Transparenzfragen stellen sich auch bei anderen Programmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, wo die parlamentarische Kontrolle von Fördergeldern regelmäßig Gegenstand parlamentarischer Anfragen ist.
Technische Systemlandschaft des WFP unter Prüfung
Die Anfrage geht auch auf die konkrete technische Infrastruktur des WFP ein. Gefragt wird nach den Systemen People Portal, Self Registration Application, SCOPE und DOTS sowie nach bekannten Datenflüssen zwischen Registrierungs-, Fach- und Analyseplattformen. Hintergrund ist die Frage, ob proprietäre – also herstellerspezifische – Datenintegrationsplattformen im humanitären Bereich grundsätzlich mit den Prinzipien der Datenhoheit und des Schutzes vulnerabler Personengruppen vereinbar sind. Die Bundesregierung soll darlegen, auf welcher Tatsachengrundlage sie entsprechende Risiken bewertet.
Konsequenzen für zukünftige Förderentscheidungen
Abschließend erkundigt sich die Fraktion Die Linke, welche Konsequenzen die Bundesregierung für künftige Förderentscheidungen zieht – insbesondere im Hinblick auf Anforderungen an internationale Organisationen hinsichtlich Auditierbarkeit, Datenhoheit und Transparenz. Die Anfrage steht im Kontext einer breiteren Debatte darüber, ob der Zugang zur humanitären Grundversorgung an die Preisgabe persönlicher Daten geknüpft sein darf und welche Verantwortung staatliche Zuwendungsgeber dabei tragen. Vergleichbare Kontroll- und Transparenzdebatten zu deutschen Fördergeldern für internationale Organisationen zeigen sich auch bei der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft oder den Business Scouts for Development.
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Unmittelbar betroffen sind mehr als 600.000 Haushalte im Gazastreifen, deren persönliche Daten bei dem Angriff abgeflossen sind. Mittelbar betroffen sind alle Empfänger humanitärer Hilfe, die sich für Leistungen registrieren lassen müssen und dabei persönliche Daten preisgeben. Aus Sicht der anfragenden Fraktion steht auch Deutschland als bedeutender WFP-Fördergeber in der Pflicht, Transparenz über Datenschutzstandards zu schaffen.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7591) ist am 14. August 2026 eingegangen. Die schriftliche Antwort der Bundesregierung steht noch aus. Nach § 104 der Geschäftsordnung des Bundestages ist grundsätzlich eine Beantwortung innerhalb von 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt vorgesehen.
- Palantir Technologies
- US-amerikanisches Technologieunternehmen, das Software zur Analyse großer Datenmengen entwickelt und unter anderem für Behörden, Geheimdienste und internationale Organisationen tätig ist.
- WFP (World Food Programme)
- Das Welternährungsprogramm ist eine UN-Organisation und eine der größten humanitären Organisationen weltweit, die Nahrungsmittelhilfe in Krisengebieten koordiniert.
- Daten-Governance
- Bezeichnet Regeln, Prozesse und Verantwortlichkeiten für den Umgang mit Daten in einer Organisation, einschließlich Datenschutz, Zugriffskontrolle und Datenqualität.
Was ist beim WFP-Datenleck passiert?
Bei einem Cyberangriff am 14. Mai 2026 wurden Namen, Telefonnummern und weitere Daten von mehr als 600.000 Haushalten im Gazastreifen beim UN-Welternährungsprogramm entwendet.
Was ist Palantir und warum ist die Kooperation mit dem WFP umstritten?
Palantir Technologies ist ein US-amerikanisches Unternehmen für Big-Data-Analyse. Es steht in der Kritik, weil es laut Berichten auch Verträge mit dem israelischen Verteidigungsministerium hat; das WFP setzt Palantir-Software seit 2019 zur Datenintegration ein.
Welche Rolle spielt Deutschland als Fördergeber des WFP?
Deutschland gilt laut der Kleinen Anfrage als einer der größten Zuwendungsgeber des WFP. Die Fraktion Die Linke fragt daher, welche deutschen Mittel in WFP-Programme geflossen sind, die die betroffenen digitalen Plattformen nutzen.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7591 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































