Tagesrückblick Bundestag – 20. Juli 2026
Der Bundestag hat heute 24 neue Drucksachen veröffentlicht. Thematisch dominierten Fragen zur staatlichen Haushaltsführung und Transparenz, zur inneren Sicherheit sowie zu Infrastruktur und Umwelt den parlamentarischen Betrieb. Den größten Anteil stellte erneut die AfD mit 13 Kleinen Anfragen zu einem breiten Themenspektrum.
AfD
Die AfD legte heute die meisten Anfragen vor und deckte ein weites Feld ab. Finanziell besonders relevant: Die Bundesregierung hat offengelegt, dass Deutschland im Jahr 2024 rund 11,8 Milliarden Euro zur internationalen Klimafinanzierung beigetragen hat, davon 6,11 Milliarden Euro direkt aus dem Bundeshaushalt. Für 2026 liegen noch keine verbindlichen Zahlen vor. Ebenfalls mit erheblichen Summen verbunden ist die Nachwuchswerbung der Bundeswehr: Die Regierungskampagnen 2025 kosten knapp 60 Millionen Euro, allein 41,8 Millionen Euro entfallen auf die Bundeswehr-Werbung. Weitere Anfragen betrafen:
- Die Bilanz der Tierschutzbeauftragten nach einem Jahr, einschließlich der geplanten Videoüberwachung in Schlachthöfen
- Den Alleenschutz an Bundesstraßen, wo der Bestand laut Antwort um 30 Prozent auf 20.000 Kilometer gesunken ist, ohne dass ein Bundesprogramm geplant wird
- Die Entsorgung teurer Krebsmedikamente nach Patiententod, zu deren Ausmaß die Bundesregierung keinen Überblick hat
- Die geplante Verfassungstreue-Prüfung für Schöffen, zu der Justizministerin Hubig ein Gesetz vorbereitet
- Den Industrial Accelerator Act der EU, zu dem die Bundesregierung noch keine abgeschlossene Bewertung vorgelegt hat
Bündnis 90/Die Grunen
Die Fraktion fragte unter anderem nach der Führerscheinreform 2026, die das Kabinett am 20. Mai unverändert beschlossen hat und die Pflichtfahrten auf Landstraßen um mehr als die Hälfte kürzt. Kritisch beleuchtet wurde zudem die Abhängigkeit der EU von US-amerikanischen Blutplasma-Importen sowie der Rückgang der Gartenbaustudierenden um 33 Prozent seit dem Referenzjahr. Zur inneren Sicherheit legte die Fraktion Zahlen zur Reichsbürger-Szene vor: Ende 2024 besaßen noch 357 Angehörige legale Waffenerlaubnisse, 19 arbeiteten 2023 und 2024 in Bundesbehörden mit Sicherheitsaufgaben. Zur Cybersicherheit stellte die Fraktion fest, dass Militär- und Geheimdiensttechnik vom Cyber Resilience Act ausgenommen bleibt.
Die Linke
Die Linke stellte drei Anfragen mit regionalem und sicherheitspolitischem Bezug. Zur geplanten RE1-Vollsperrung 2029 wurde bekannt, dass 90 Kilometer Gleise erneuert und acht Stellwerke neu gebaut werden sollen, die Strecke aber bereits jetzt bei 110 bis 125 Prozent der Nennleistung ausgelastet ist. Zu wirtschaftlichen Folgen und Fahrgastverlusten hat die Bundesregierung keine Daten. Darüber hinaus dokumentierte die Fraktion mehr als 70 rechtsextreme Kundgebungen im zweiten Halbjahr 2025, mit Sachsen als aktivstem Bundesland. Zur Krankenhausversorgung im Verteidigungsfall verwies die Regierung auf das in Planung befindliche Gesundheitssicherstellungsgesetz.
B’90/Die Grunen (weitere Anfragen)
Zwei weitere Anfragen der Fraktion betrafen das geplante Rückführungsterminal am Flughafen München, das 2028 in Betrieb gehen soll und für täglich bis zu 100 Einzelrückführungen ausgelegt ist, sowie die Zementindustrie, deren CO2-Prozessemissionen zwischen 2020 und 2024 deutlich gesunken sind und die 686,5 Millionen Euro aus dem EU-Innovationsfonds für CCS-Projekte erhält.
Ausblick
Parlamentarisch relevant bleiben vor allem die offenen Antwortfristen: Der Monitoringbericht zur Energiewende muss bis zum 6. August 2026 beantwortet werden. Zudem dürften die Debatten um die Führerscheinreform, die Reichsbürger-Entwaffnung und die Krankenhausplanung im Verteidigungsfall in den kommenden Wochen weitergehen.
- Klimafinanzierung: 11,8 Mrd. Euro deutscher Beitrag 2024
Drs. 21/6957 · Vorgang VO336404 - Führerscheinreform 2026: Verkehrssicherheit contra Kostensenkung
Drs. 21/6974 · Vorgang VO336417 - Cyber Resilience Act: Verteidigungsprodukte ohne CRA-Pflichten
Drs. 21/6961 · Vorgang VO336562 - Bebauungsplanverfahren: Jahrzehntelange Stillstände ohne Rechtsschutz
Drs. 21/6958 · Vorgang VO336598 - RE1-Vollsperrung 2029: 90 km Gleise und 8 Stellwerke geplant
Drs. 21/6983 · Vorgang VO336005 - Alleenschutz an Bundesstraßen: Kein Bundesprogramm geplant
Drs. 21/6981 · Vorgang VO336055 - Krankenhäuser im Verteidigungsfall: GeSiG in Planung
Drs. 21/6959 · Vorgang VO336418 - Tierschutzbeauftragte der Bundesregierung: Bilanz nach einem Jahr
Drs. 21/6982 · Vorgang VO336471 - Energiewende-Monitoring: 10 Fragen zum Umsetzungsstand
Drs. 21/7142 · Vorgang VO337422 - Blutplasma-Versorgung: Importabhängigkeit und Lieferrisiken im Fokus
Drs. 21/7151 · Vorgang VO337275 - Rückführungsterminal München: Inbetriebnahme 2028 geplant
Drs. 21/6956 · Vorgang VO336416 - Gartenbauwissenschaften: Studierende um 33 Prozent gesunken
Drs. 21/6955 · Vorgang VO335930 - Energyfish: Strom aus Fließgewässern auf dem Prüfstand
Drs. 21/7163 · Vorgang VO337276 - Kriegsgräberfürsorge: Bundesförderung und Lage in Osteuropa
Drs. 21/7171 - Arzneimittel-Entsorgung: GKV-Einsparpotenziale ungeklärt
Drs. 21/7169 - Schöffenwahl: Verfassungstreue-Prüfung für ehrenamtliche Richter geplant
Drs. 21/7164 · Vorgang VO337277 - Zementindustrie: CO2-Emissionen sinken, Umsatz um 189 Mio. Euro
Drs. 21/6945 · Vorgang VO335932 - Rechtsextreme Aufmärsche 2025: Verfassungsschutz listet über 70 Kundgebungen
Drs. 21/6919 · Vorgang VO336397 - Reichsbürger: 26.000 Szene-Angehörige, 357 mit Waffenerlaubnis
Drs. 21/6920 · Vorgang VO336240 - Antisemitismusbeauftragter: Jahresbilanz mit 8.207 Euro Reisekosten
Drs. 21/6941 · Vorgang VO336480 - Regierungskampagnen 2025: 60 Mio. Euro Werbeausgaben offengelegt
Drs. 21/6939 · Vorgang VO336343 - Aussiedlerbeauftragter Fabritius: Bilanz nach einem Jahr
Drs. 21/6921 · Vorgang VO336466 - Kulturstaatsminister Weimer: Keine Pride-Month-Beteiligung 2026
Drs. 21/6940 · Vorgang VO336345 - Industrial Accelerator Act: Bundesregierung ohne Gesamtbewertung
Drs. 21/6942 · Vorgang VO336342



































































