Tagesrückblick Bundestag – 27. Juli 2026
Der heutige Drucksachentag wurde vollständig von der AfD-Fraktion geprägt, die mit 30 Initiativen ein breites Themenspektrum abdeckte. Inhaltliche Schwerpunkte lagen auf Reformen des Strafrechts, der Transparenz bei staatlich gefördertem zivilgesellschaftlichem Engagement sowie wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen. Besonders auffällig war die Vielzahl gleichlautender Kleiner Anfragen zur Förderpraxis des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ in rheinland-pfälzischen Wahlkreisen.
AfD
Die Fraktion legte heute den eindeutigen Akzent auf Innere Sicherheit und Strafrechtsreform. Mehrere Gesetzentwürfe zielen auf Verschärfungen im Strafgesetzbuch:
- Ein neuer § 108g StGB soll Blockaden von Parteitagen unter Strafe stellen; gleichzeitig soll das Parteiengesetz einen Entschädigungsanspruch bei staatlichem Schutzversagen erhalten (Drs. 21/7346).
- Ein weiterer Entwurf sieht einen neuen § 48 StGB vor, der bei Wiederholungstätern bei Gewalt- und Sexualdelikten Mindeststrafen von zehn Jahren vorschreibt (Drs. 21/7347).
- Bei schwerem Kindesmissbrauch soll die Mindeststrafe von zwei auf fünf Jahre angehoben werden, womit Bewährungsstrafen ausgeschlossen wären (Drs. 21/7260).
- Ein neuer § 354 StGB soll Amtsmissbrauch durch Amtsträger auch ohne Bestechungszusammenhang strafbar machen (Drs. 21/7261).
- Ausländische Täter bei Messerangriffen sollen künftig direkt per Strafurteil ausgewiesen werden können (Drs. 21/7256).
- Ein neuer § 258b StGB soll informelle Paralleljustiz durch Clan-Friedensrichter unter Strafe stellen (Drs. 21/7253).
Im Bereich Transparenz und Staatsfinanzen reichte die Fraktion eine Serie von Kleinen Anfragen zur regionalen Förderpraxis des Programms „Demokratie leben!“ ein. Betroffen sind die Wahlkreise Neustadt-Speyer, Ludwigshafen, Koblenz, Trier, Mainz, Worms, Neuwied und Bitburg sowie Thüringen insgesamt. In allen Anfragen werden Empfänger, Vergabestrukturen und Rückforderungen seit 2020 abgefragt. Daneben thematisiert eine separate Anfrage die Bundesförderung für Gewerkschaften, bei der die Regierung laut Antwort eine Gesamtübersicht verweigert hat (Drs. 21/7174).
Weitere Anfragen befassten sich mit dem Investitionsstandort Deutschland und der Arbeit des Investitionsbeauftragten Martin Blessing (Drs. 21/7271), mit der Inflationsmessung des Statistischen Bundesamts und dem Einfluss von Basisjahr-Wechseln auf Sozialleistungen (Drs. 21/7272) sowie mit gekündigten Tierwohl-Verträgen im Lebensmitteleinzelhandel, die Schweinemäster in wirtschaftliche Schwierigkeiten bringen sollen (Drs. 21/7273). Hinzu kamen Fragen zur Schmierstoff-Versorgungssicherheit (Drs. 21/7172), zu Team-Europe-Initiativen der EU-Entwicklungspolitik (Drs. 21/7274) sowie zu Ermittlungsverfahren des Generalbundesanwalts im ersten Halbjahr 2026 (Drs. 21/7270).
Ausblick
Parlamentarisch relevant bleiben vor allem die strafrechtlichen Gesetzentwürfe der AfD, die in den zuständigen Ausschüssen – insbesondere im Rechtsausschuss – beraten werden müssen. Die Antworten der Bundesregierung auf die zahlreichen Anfragen zur „Demokratie leben!“-Förderung dürften weitere Debatten über Transparenz und Kontrolle staatlich geförderter Zivilgesellschaft nach sich ziehen. Auch die offene Frage nach einer Gesamtübersicht zur Gewerkschaftsförderung bleibt parlamentarisch ungelöst.
- Parteitage schützen: AfD will § 108g StGB und DemWiG 2026
Drs. 21/7346 · Vorgang VO337737 - StGB-Reform: Strafverschärfung für Wiederholungstäter geplant
Drs. 21/7347 · Vorgang VO337738 - Messerangriffe: AfD-Gesetzentwurf für Ausweisung per Strafurteil 2026
Drs. 21/7256 · Vorgang VO337695 - Jugendstrafrecht: Opferrechte bei Sexualdelikten sollen gestärkt werden
Drs. 21/7259 - StPO-Reform 2026: Rotationsverfahren für Pflichtverteidiger
Drs. 21/7258 · Vorgang VO337721 - Geldwäsche bei Steuerhinterziehung: StGB-Reform 2026
Drs. 21/7257 · Vorgang VO337697 - Kinderschutz: Mindeststrafe bei schwerem Missbrauch auf 5 Jahre
Drs. 21/7260 - Amtsmissbrauch: AfD will neuen Straftatbestand ins StGB
Drs. 21/7261 - Vermögensabschöpfung: Neuer § 261a StGB soll Rückerwerb der Tatbeute stoppen
Drs. 21/7262 - WEG-Reform 2026: Zwei-Drittel-Mehrheit bei hohen Kostenbeschlüssen
Drs. 21/7255 · Vorgang VO337693 - Paralleljustiz-Verbot: AfD will Friedensrichter ins StGB aufnehmen
Drs. 21/7253 - Demokratie leben!: NGO-Förderung in Neustadt-Speyer unter der Lupe
Drs. 21/7283 · Vorgang VO337527 - Bundesförderung für Gewerkschaften: Regierung verweigert Auskunft
Drs. 21/7174 · Vorgang VO336723 - Demokratie leben!: NGO-Förderung in Ludwigshafen im Fokus
Drs. 21/7291 · Vorgang VO337544 - Demokratie leben! Thüringen: Förderdaten 2020–2024 offengelegt
Drs. 21/7168 · Vorgang VO336254 - Demokratie leben!: NGO-Förderung in Koblenz unter der Lupe
Drs. 21/7285 · Vorgang VO337530 - Schmierstoff-Versorgung: Preise um 200% gestiegen, kein Engpass
Drs. 21/7172 · Vorgang VO336669 - Investitionsstandort Deutschland: 13 Fragen zu GTAI und Blessing
Drs. 21/7271 · Vorgang VO337505 - Demokratie leben! Worms: AfD fragt NGO-Förderung in Rheinland-Pfalz ab
Drs. 21/7294 · Vorgang VO337539 - Deutsch-französischer Beauftragter: Bilanz ohne Messgrößen
Drs. 21/7159 · Vorgang VO336445 - Generalbundesanwalt 2026: Ermittlungen zu Islamismus und Extremismus
Drs. 21/7270 · Vorgang VO337504 - Demokratie leben!: NGO-Förderung in Rheinland-Pfalz unter der Lupe
Drs. 21/7295 · Vorgang VO337543 - Disziplinarverfahren in Bundesbehörden: 2.650 Fälle bei der Bundespolizei
Drs. 21/7173 · Vorgang VO336842 - Team-Europe-Initiativen: 21 Fragen zu Kosten und Kontrolle
Drs. 21/7274 · Vorgang VO337508 - Demokratie leben!: NGO-Förderung in Mainz unter der Lupe
Drs. 21/7293 · Vorgang VO337532 - Inflationsrate: Methodik und reale Preisbelastung im Fokus
Drs. 21/7272 · Vorgang VO337506 - Demokratie leben!: NGO-Förderung in Trier unter der Lupe
Drs. 21/7284 · Vorgang VO337529 - CLAIM-Förderung: AfD fragt nach Bundesmitteln für Antidiskriminierungsnetzwerk
Drs. 21/7269 · Vorgang VO337503 - Demokratie leben!: NGO-Förderung in Neuwied unter Transparenzdruck
Drs. 21/7286 · Vorgang VO337528 - Tierwohlverträge: Investitionsrisiken für Schweinebauern im LEH
Drs. 21/7273 · Vorgang VO337507



































































